„Platin Award“ für den Kürschner aus Leidenschaft und seine Rotfuchsjacke

Edition Schwaben

Pelz ist wieder en vogue und gesellschaftlich akzeptiert. Nachdem echte Pelze von bedrohten Tierarten in den 1970er- und 1980er-Jahren ein ausgesprochenes Luxus- und Statussymbol waren und engagierte Tierschützer Damen in Pelz mit Farbspray attackierten, hat sich in der Modebranche ein tiefgreifender Gesinnungswandel vollzogen. „Wir haben uns ernsthaft Gedanken über die Herkunft und Nachhaltigkeit der Produkte machen müssen“, bekennt Hans-Peter Gerner, Inhaber des bekannten Augsburger Pelzateliers, freimütig. Das Thema polarisiert aber in Deutschland längst nicht mehr. „Das uneingeschränkte Bekenntnis zum Washingtoner Artenschutzübereinkommen ist für mich immer eine Selbstverständlichkeit gewesen“, fügt der Couturier hinzu. Die hitzigen Diskussionen über die Verarbeitung von echten Fellen hätten sich sogar positiv ausgewirkt und sowohl im Kürschnerhandwerk als auch unter den Pelzliebhaberinnen die Sensibilität im Umgang mit dem Naturprodukt geschärft: „Wir brauchen heute kein schlechtes Gewissen mehr zu haben.“ Sein Credo „Mode und Missachtung des Tierschutzes sind einfach nicht vereinbar“ hat den Augsburger vielmehr inspiriert, modisch und handwerklich das Beste aus jedem Fell zu machen. Persianerfelle stammen heute aus kontrollierter Züchtung von Karakulschafen. Die Felle von Rotfüchsen stammen in Deutschland in der Regel von zum Abschuss freigegebenen Schädlingen. Hans-Peter Gerner pflegt seit Jahren enge Geschäftsbeziehungen zu bekannten Kommissionären in Kanada, Dänemark und Namibia, um sich Felle erster Güte aus den nordischen Breiten und aus Züchtungen für seine Pelzkreationen zu sichern.

Doch der Einkauf von Fellen ist nur ein Teil kreativer Kürschnerei. Ebenso wichtig ist die Auswahl jener Betriebe, die sich auf die sanfte Oberflächenbehandlung von Fellen verstehen. Der Trend zu superleichten Pelzmänteln und -jacken hat diese Vorstufe in der Verarbeitung von Fellen zu einem Metier von gesuchten Spezialisten gemacht. Der Augsburger Pelzcouturier hat sich dafür eine der besten Adressen in der Fashionmetropole Paris, die Firma Cippel, angelacht, die auch Lieferant für bekannte Modehäuser wie Fendi, Gucci, Louis Féraud, Paco Rabanne, Thierry Mugler oder Louis Vuitton ist. „Ich fahre allein deshalb jedes Jahr nach Paris, um mich über die neusten Techniken der Fellbearbeitung zu informieren. Erst dadurch ist es mir möglich, meinen Kundinnen außergewöhnliche Materialien für individuelle Kreationen anbieten zu können. Nebenbei macht es richtig Spaß, zurück in Augsburg, mit so geschmeidigen und weichen Fellen zu arbeiten“, erzählt der Kürschner aus Leidenschaft. Doch Gerners Wege führen nicht nur in die französische Metropole. Er schaut sich auch bei Möbelmessen um. In Mailand und Köln. „Sie sind deshalb so interessant für mich, weil sich vor allem künftige Trendfarben der Mode viel früher an Interieur und Wohndesign ablesen lassen“, verrät der quirlige Unternehmer eines seiner Geheimnisse, warum er dann Jahr für Jahr bei internationalen Wettbewerben des Kürschnerhandwerks mit Preisen dekoriert wird. Zuletzt heimste er beim „International German Fur Award 2011“, zu dem aus Österreich, Schweiz, Holland und Deutschland 131 Modelle anonym eingereicht worden waren, den „Platin Award 2011“ für seine gefärbte Rotfuchswendejacke in der Materialgruppe „Fiktion“ ein. Vier weitere Modelle aus Gerners Atelier schafften es bis zur Endrunde der Nominierung.

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