Nachgefragt: Pelz? Nicht nur was für Omas

Augsburger Allgemeine Zeitung

Pelze und Strand, geht das? Geht. Letzte Woche feierte die Vereinigung Initiative Pelzgestaltung in Augsburg 25-Jähriges – mit einer Beach-Modenschau im Viermetzhof des Maxmuseums. Organisiert hatte sie der Augsburger Kürschnermeister Hans-Peter Gerner.

Herr Gerner, wer außer Kürschnern denkt denn im Hochsommer an Pelze? Gerner: Sie werden lachen, das sind einige. In Großstädten dekorieren die Geschäfte ihre Schaufenster schon jetzt mit aktueller Herbstund Wintermode. In Augsburg sind wir etwas später dran.

Wenn es denn mal kalt wird, was trägt man heuer? Gerner: Die Mäntel werden kürzer, sie enden kurz über dem Knie. Das passt zu uns, hier sind die Winter ja nicht so kalt. Jacken sind sehr kurz, was nicht wirklich funktional ist, aber sehr, sehr schick. Und was den Pelz betrifft, ist von lockig über gerupft bis haarig alles drin.

Es gab Zeiten, da wurde man schief angeschaut, wenn man Pelz trug ... Gerner: Ja, die sind aber zum Glück vorbei. Das liegt daran, dass der Kunde sich informiert, woher sein Pelz kommt. Kaninchen zum Beispiel und Lamm stammen aus der Nahrungsmittelproduktion. Das Fleisch wird gegessen, der Pelz zu Kleidung verarbeitet. Dann gibt es zum Beispiel Bisam aus der Schädlingsbekämpfung oder den Rotfuchs. Hier muss der Bestand wegen der Fuchsbandwurmgefahr auf einer bestimmten Größe gehalten werden. Alles Felle, die der Kürschner verarbeitet. Pelzfarmen, in denen Tiere zu verheerenden Konditionen gehalten werden, gibt es kaum noch. Denn wenn die Umgebung nicht stimmt, hat das Tier auch kein schönes Fell.

Was mache ich denn mit dem alten Persianer von Oma, der bei mir noch im Schrank hängt? Gerner: Das kommt oft vor. In den 1970er, 80er Jahren wurde unglaublich viel Pelz gekauft. Jetzt graben die Enkel die Stücke wieder aus und wollen sie tragen, weil es cool ist. Oft kann man solche Mäntel mit Accessoires wie Gürteln wieder aufpeppen. Man kann sie auch in ihre Einzelteile zerlegen und was Modisches daraus machen, je nachdem, wie gut der Mantel noch ist. Oder aber, man gibt das alte Kleidungsstück in Zahlung und kauft ein neues. Auch 30-Jährige tragen heute wieder Pelz, weil er nicht mehr „omig“ aussieht.

Hat das Kürschner-Handwerk eigentlich Nachwuchsprobleme? Gerner: Die meisten Kürschner kommen aus Familienbetrieben. Und so groß ist der Nachwuchs tatsächlich nicht. Gerade deshalb werden diese Leute bald hoch bezahlt sein...

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